Aus dem Leben von Johann Merkli (1907-1987) – Zusatztext

By UTrö

Weitere Verwandte

Meine Grossmutter, von Ehrendingen gebürtig, war eine geborene Frey[i]. Ganz dunkel kann ich mich erinnern, dass sie eine grosse hagere Frau war. Über ihre Verwandtschaft weiss ich nichts zu berichten, ob sie Waise war, ich weiss es nicht. Wir hatten nie verwandtschaftliche Beziehungen nach Ehrendingen.

Meine Mutter hatte zwei Geschwister. Eine ältere Schwester, Christine, war meine Patin. Sie heiratete einen Mann namens Brun, der, wie mir schien, vorbildlich für seine immer grösser werdende Kinderschar sorgte. Ohne Bedenken wechselte er sein Domizil – und das tat er öfters mit seiner grossen Familie – wenn er glaubte, bessere Verdienstmöglichkeiten zu finden.

Der ältere Bruder hiess Josef wie mein Vater. Er heiratete eine geborene Schmucki. Sie hatte ein rotes Gesicht und schien ziemlich lebenslustig zu sein. Sie wohnten in einem Haus an der Stiegele, beim Sulperg. Drei Kinder nannten sie ihr eigen: Josef der älteste, dann Bernhard und der jüngste, Jakob. Wir Kinder hatten mit diesen Vettern kein extra herzliches Verhältnis. Wenn sie oder wir beieinander zu Besuch waren, hatten wir Streit miteinander.

Nun, die wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Familie schienen geregelt zu sein, dies umso mehr als die Frauen damals bei fremden Leuten mit Waschen und Spetten[ii] einige Batzen mitverdienten. Allerdings ging alles auf Kosten der Kinder, die halbtagsweise sich selbst überlassen wurden. Dass da manch Krummes passierte, lag auf der Hand.

[i] Marie-Louise Frey (1838-1912)

[ii] Hilfsarbeiten im Tagelohn (AdR).